Fachtagung „Techniksozialisation und Technische Bildung - Technikorientierungen junger Frauen und Männer“ am 25. und 26. Sep. 2014

„Techniksozialisation und Technische Bildung - Technikorientierungen junger Frauen und Männer“

 

BMBF-Schwerpunktprogramm: "Chancengleichheit von Frauen in Bildung und Forschung"

Die Philosophische Fakutät der Universität Rostock veranstaltete am 25. und 26.09.2014 eine interdisziplinäre Tagung zum Thema: „Techniksozialisation und Technische Bildung - Technikorientierungen junger Frauen und Männer“. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen und aus unterschiedlichen Forschungseinrichtungen kamen in Rostock zusammen, um mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen des technologischen Wandels in der Gesellschaft gemeinsam Perspektiven einer sozialwissenschaftlichen Analyse sowie einer nachhaltigen pädagogischen Förderung technischer Bildungsprozesse von Heranwachsenden zu diskutieren. Auf der Fachtagung spielten neben sozialisations- und bildungstheoretischen Fragestellungen insbesondere auch gendertheoretische Ansätze eine zentrale Rolle. Zudem wurden aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt und pädagogische Konzepte der Technischen Bildung diskutiert.   

Die Tagung fand im Rahmen des vom BMBF geförderten dreijährigen Forschungsprojektes "Bildungsziel Ingenieurin - Technik- und naturwissenschaftliche Studienorientierungen bei jungen Frauen" (BildIng) an der Universität Rostock statt, in dem mit unterschiedlichen empirischen Teilstudien die Entstehungsbedingungen und Entwicklungsprozesse technischer Studienorientierungen von jungen Frauen untersucht wurden.

Wir bedanken uns für die rege Teilnahme!

Hans-Jürgen von Wensierski, Lea Puchert, Andreas Langfeld

    

Inhaltliche Schwerpunkte:

I. Theoretische Grundlagen:

  • Technische Bildung im Spannungsfeld zwischen formellen Bildungsverläufen und informellen Sozialisationserfahrungen
  • Technik und Gender

II. Technikorientierungen von jungen Frauen und Männern:

  • Technikbezogene Einstellungen und Erfahrungen von weiblichen und männlichen Heranwachsenden
  • Jugendkulturelle Zugänge zum Technikthema

III. Technische Studien- und Berufsorientierungen:

  • Technikorientierte Laufbahnkonzepte und berufsbiographische Prozessverläufe
  • Die Situation von Frauen im Technikstudium

IV. Konzepte einer innovativen und zeitgemäßen Technischen Bildung:

  • Grundzüge einer Allgemeinen Technikbildung

Workshopthemen:

  • Technische Bildung in der Kindheit
  • Außerschulische Technikbildung


Tagungsplakat Technische Bildung

Rückblick auf die Tagung

Am 25. und 26. September 2014 veranstaltete das Institut für Allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Jürgen v. Wensierski eine interdisziplinäre Tagung zum Thema „Techniksozialisation und Technische Bildung – Technikorientierungen junger Frauen und Männer“. Renommierte Referenten und Referentinnen verschiedener deutscher Universitäten diskutierten in ihren Vorträgen aus vielfältigen Blickwinkeln die Grundlagen und Perspektiven einer nachhaltigen pädagogischen Förderung technischer Bildungsprozesse und analysierten dabei auch die Prozesse der Techniksozialisation und der technikbezogenen Bildungsbiographien insbesondere junger Frauen.

Am ersten Tagungstag wurden zunächst die theoretischen Grundlagen Technischer Bildung im Spannungsfeld von formalen Bildungsprozessen sowie informellen Sozialisationserfahrungen und Bildungsverläufen erläutert. Während Hans-Jürgen v. Wensierski (Universität Rostock) zunächst einen theoretischen Überblick über die Begrifflichkeiten „Technik“, „Technisches Handeln“ und „Technische Bildung“ gab, beleuchtete der nachfolgende Vortrag von Bianca Prietl (RWTH Aachen) stärker die gendertheoretischen Ansätze im Zusammenhang mit der Technischen Bildung, wobei insbesondere die geschlechterdifferente Techniksozialisation junger Frauen und Männer im Fokus stand. Zum Abschluss des ersten Themenblocks diskutierte Prof. Dr. Christian Wiesmüller (Universität Karlsruhe) in seinem Vortrag zum Thema „Allgemeine Technikbildung. Brauchen wir ein Schulfach Technik für alle?“ über die Etablierung eines neuen Schulfachs „Technik“.

Der zweite thematische Block befasste sich mit der vorliegenden empirischen Datenlage zu gegenwärtigen Technikorientierungen junger Frauen und Männer. So stellte Prof. Dr. Hans-Jürgen v. Wensierski die Ergebnisse einer aktuellen quantitativen Schülerstudie zu den Besonderheiten und Entwicklungsverläufen von technik- und naturwissenschaftlichen Interessen junger Schülerinnen vor. Im Anschluss daran stellte Prof. Dr. Uwe Pfenning (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) zentrale Studienergebnisse der „Acatech-Studie“ über  „Determinanten der technischen Sozialisation und deren Einflussfaktoren auf die MINT-Studienwahl“ dar. Abschließend erörterte Prof. Dr. Kai-Uwe Hugger (Universität Köln) die Bedeutung digitaler Jugendkulturen im Kontext der Technischen Bildung. In diesem Zusammenhang wurde unter anderem aufgezeigt, wie stark sich junge Heranwachsenden in der hochtechnisierten Lebenswelt mit Technik und Medien auseinandersetzen (müssen) und welche Potenziale die Nutzung des Web 2.0 für die Entwicklung von Technikaffinitäten junger Menschen birgt. Insgesamt bot dieser Themenkomplex somit einerseits einen Überblick über die unterschiedliche Ausprägung der Technikaffinitäten bei jungen Frauen und Männern und verdeutlichte andererseits die Relevanz von Technik in den unterschiedlichen jugendkulturellen Strömungen.

Zu Beginn des zweiten Tages lag der Fokus stärker auf den technischen Studienorientierungen insbesondere von jungen Frauen. Den Zugang zu diesem Themenkomplex eröffnete Dr. Andrea Wolffram (RWTH Aachen) mit ihrem Vortrag zum Thema „Technikeinstellungen und -interessen von Studienanfängerinnen und -anfängern“.  Daran anschließend stellten Andreas Langfeld und Lea Puchert (Arbeitsgruppe BildIng, Universität Rostock) die Ergebnisse ihrer aktuellen qualitativen Teilstudie des Projekts „Bildungsziel – Ingenieurin: Technik- und naturwissenschaftliche Studienorientierungen bei jungen Frauen“ vor. Die qualitative Studie auf der Basis biographisch-narrativer Interviews ging in erster Linie auf sozialisations- und bildungsbezogene Aspekte technischer Studienorientierungsprozesse junger Frauen ein. Schließlich thematisierte Prof. Dr. Susanne Ihsen (Technische Universität München) in ihrem Vortrag über die „Fachkulturellen Exklusionsmechanismen und ihre Auswirkungen auf Studentinnen in Ingenieurwissenschaften“ die genderspezifischen Grenzen zur Etablierung von Frauen in technikorientierten Studiengängen. In dieser Themenreihe wurde vor allem der Genderaspekt in den Entwicklungslinien von technischen Studienorientierungen deutlich.

Im vierten und letzten Themenblock mit dem inhaltlichen Schwerpunkt „Technische Bildung“ ging es vorrangig um die Diskussion pädagogischer Konzepte der Technischen Bildung. So referierte Dr. Gabriele Graube (Technische Universität Braunschweig) zum Thema „Technik und Technische Allgemeinbildung im Spannungsfeld von Bildung“, woran abschließend Prof. Dr. Hans-Jürgen v. Wensierski sein Konzept zur Technischen Bildung aus dem Forschungsprojekt „BildIng“ vorstellte. Die anschließende Plenumsdiskussion bezog sich vor allem auf die Handlungspraxis von Technischer Bildung.

Abschließend fanden zudem zwei Workshops zur thematischen Vertiefung und Diskussion statt. Der erste Workshop zur „Frühen technischen Bildung und kindlichen Lebenswelt“ unter der Leitung von Prof. Dr. Ingelore Mammes (Universität Duisburg-Essen) und Dr. Gabriele Graube (TU Braunschweig) setzte den inhaltlichen Schwerpunkt vor allem auf frühkindliche Technikaffinitätsprozesse. Im Rahmen dieses Workshops stellten die Wissenschaftlerinnen ein Forschungsvorhaben bezüglich der Entwicklung von technikbezogenen Selbstkonzepten bei Kindern in der frühkindlichen Entwicklungsphase vor. Der zweite Workshop zum Thema „Schülerlabore und außerschulische Technische Bildung“ unter der Leitung von Silke Vorst (Schülerlabor-Netzwerk GenaU, Berlin) befasste sich im Wesentlichen mit bestehenden deutschen Schülerlaboren und deren Möglichkeiten. Dabei wurde zunächst die Geschichte der Schülerlabore dargestellt und anschließend auf die aktuelle Umsetzung in der Praxis eingegangen.

Insgesamt bot die Fachtagung einen umfassenden Raum für konstruktive Diskussionen einer zeitgemäßen Technikbildung, wobei die bisher in der Bundesrepublik dominierende schulzentrierte Fachdebatte erweitert wurde um ein Konzept von Technischer Bildung, das insbesondere auch die außerschulischen sowie die lebensweltlichen Sozialisations- und Bildungsprozesse einer informellen Technischen Bildung explizit mit einbezieht. Sowohl die Nachfrage nach, wie auch die diskussionsfreudige Teilnahme an der Tagung bestätigen den Erfolg des Konzepts und der Veranstaltung und eröffnen den Raum für künftig vielschichtige interdisziplinäre Kooperationen.

Hans-Jürgen von Wensierski

 

Hinweis: Die Präsentationen einzelner Referentinnen und Referentin können auf Nachfrage per E-Mail herausgegeben werden.