Essenspraktiken Jugendlicher in stationären Erziehungshilfen. Eine Mixed-Methods-Studie

Jugendliche werden durch Essen sozialisiert, erzogen und gebildet. In öffentlichen Einrichtungen, in denen Jugendliche leben, stellen die Organisation von Essen und der alltägliche Umgang mit dem Essen Jugendlicher einen zentralen Aspekt der pädagogischen Arbeit dar. Bisher ist weitgehend unerforscht, wie Essenspraktiken Jugendlicher durch die unterschiedliche Organisation von Essen in stationären Einrichtungen beeinflusst werden.

Deshalb untersucht das Forschungsprojekt die Essenspraktiken Jugendlicher, die in stationärer Erziehungshilfe leben, sowie die organisationale Herstellung des Essens Jugendlicher in den Einrichtungen. Dabei werden gleichermaßen Fragen der Organisations- und der Jugendforschung verfolgt, z.B. wie die Wohngruppen über „Essen“ hergestellt werden und welche Bedeutung Essenspraktiken für die einzelnen Jugendlichen haben. „Stationäre Erziehungshilfe“ umfasst in dem zugrunde gelegten Verständnis sowohl Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe als auch der Behindertenhilfe.

Das Untersuchungsdesign folgt einem Mixed-Methods-Ansatz. Neben einer integrierten Übersichtsarbeit zur Aufbereitung des internationalen Forschungsstandes werden folgende zwei Zugänge gewählt:

  • Im quantitativen Untersuchungsteil werden anhand einer Fragebogenerhebung Essensformen Jugendlicher und deren Organisation in stationärer Erziehungshilfe über eine deskriptive Analyse herausgearbeitet. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wer isst was, wann, wo, wie, mit wem sowie Fragen zu den Einstellungen zum Essen und der Organisation von Essen. Jugendliche, Einrichtungsleitungen und Wohngruppenmitarbeiter*innen werden befragt.
  • Im qualitativen Untersuchungsteil stehen der Alltag und die Essenspraktiken der Jugendlichen im Mittelpunkt. Dabei wird insbesondere auf Essensformen geachtet, die „by the way“ stattfinden oder spontan organisiert werden. Im Sinne einer ethnografischen partizipativen Aktionsforschung wird der Forschungsprozess gemeinsam mit den Jugendlichen gestaltet. Es entstehen bspw. Beobachtungprotokolle, Fotos und tabellarische Essensdokumentationen als Datenmaterial. In der auch gemeinsamen Auswertung mit den Jugendlichen werden ihre Sinngebungen zum Essen fokussiert.

Finanzierung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit
06/2018-03/2022

Leitung
Prof. Dr. Matthias Richter (Standort Halle), Prof. Dr. Wolfgang Schröer (Standort Hildesheim) und Prof.‘in Dr. Vicki Täubig (Standort Siegen; ab 2/2021 Rostock)

Mitarbeiter_innen (Standort Siegen; ab 2/2021 Rostock)
Helena Kliche
Katharina Gosse (bis 7/2019)
Marilena Rinaldo (SHK bis 8/2019)

Publikationen

  • Barthels, A./Gosse, K. (2020): Alltagspraktiken Jugendlicher in der stationären Erziehungshilfe am Beispiel von Essenssituationen – ein partizipatives Forschungsprojekt. In: Stossun, A./Flihs, L./Zimmermann, R./Emmerich, M./Walkenhorst, P. (Hrsg.): Alltags- und Übergangspraktiken in Hilfen für junge Menschen: zwischen Selbstbestimmung, Eigensinn und gesellschaftlichen Anpassungsforderungen. Opladen: Budrich, S. 123-132.
  • Barthels, A./Gosse, K./Roick, J. (2019): Essenspraktiken Jugendlicher in stationären Erziehungshilfen. Forschungsnotiz. In: Forum Erziehungshilfen 25(4), S. 233-234.

Vorträge

  • Barthels, A./Gosse, K.: Alltagspraktiken Jugendlicher in der stationären Erziehungshilfe am Beispiel von Essenssituationen. Fachtag „Auf Biegen und Brechen? Alltags- und Übergangspraktiken in Hilfen für junge Menschen: zwischen Selbstbestimmung, Eigensinn und gesellschaftlichen Anpassungsforderungen. Universität zu Köln, 20. März 2019.
  • Gosse, K./Täubig, V.: Bericht zur DFG-Studie „Essenspraktiken Jugendlicher in stationären Erziehungshilfen. Eine Mixed-Methods-Studie“. Treffen des Netzwerks Essenspaed. Frankfurt University of Applied Sciences, 12. Juli 2018.

Projektseiten der Kooperationspartner
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Universität Hildesheim