Transferzentrum Kinderschutz und Kinderrechte

Die Homepage befindet sich aktuell im Aufbau. Wir danken für Ihr Verständnis.

Willkommen im Transferzentrum Kinderschutz & Kinderrechte– einem Ort für Begegnung, Dialog und Innovation! Wir setzen uns dafür ein, Kinder und Jugendliche als anerkannte Rechtssubjekte in der Gesellschaft sichtbar zu machen und ihre Rechte auf umfassende Weise zu stärken. Das Zentrum fördert aktiv die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention und etabliert einen weit gefassten Kinderschutz, der die Rechte und das Wohlergehen junger Menschen in den Fokus rückt.

„Rechte Landnahmen und Bedrohungen im Bereich Kinderrechte, Kinderschutz und Kinder - und Jugendhilfe - Gemeinsam begegnen!“

Jahrestagung des Forums gegen Demokratiefeindlichkeit und rechte Landnahme am 12. und 13. März 2026 in Rostock

Kinderschutz verstehen wir als Recht von Kindern und Jugendlichen vor jeglicher Form von Gewalt, wobei Gewalt in einem weiten Verständnis zugrunde gelegt wird. Wir stehen für Diversität und Menschenrechte. 

Die politische und gesellschaftliche Diskursverschiebung nach rechts, die mit demokratiefeindlichen, rassistischen, antifeministischen und weiteren menschenfeindlichen Auswirkungen einhergeht, sehen wir daher als große Gefahr für und in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen! 
Wir sehen, dass Studierende, Wissenschaftler*innen und Fachkräfte, die in der Praxis und im Alltag mit rechtsradikalen Äußerungen bis hin zu rechter Gewalt konfrontiert sind, nach Wegen suchen, damit umzugehen. 

Aus diesem Grund veranstaltet das Transferzentrum am 12. und 13. März 2026 in Rostock die Jahrestagung des Forums gegen Demokratiefeindlichkeit und rechte Landnahme unter dem Titel „Rechte Landnahmen und Bedrohungen im Bereich Kinderrechte, Kinderschutz und Kinder - und Jugendhilfe - Gemeinsam begegnen!“ 

In Workshops und Vorträgen wollen wir gemeinsam diskutieren, wie mit rechten Landnahmen und Bedrohungen im Bereich Kinderrechte, Kinderschutz und Kinder- und

Jugendhilfe umgegangen werden kann und welche Gegenstrategien und Widerstandspraxen gemeinsam entwickelt werden müssen.

Es sollen Erfahrungen und Wissen ausgetauscht, aktuelle Herausforderungen diskutiert und mögliche Strategien im Umgang und Widerstand erarbeitet sowie solidarische Bündnisse geschmiedet werden! 

Am Vormittag des 12.03.2026 findet zunächst ein internes Netzwerk-Treffen statt. Dabei soll es darum gehen, welche Themen & Aktivitäten in absehbarer Zeit ggf. gezielt und

koordiniert angegangen werden können, sollen, müssten …

Am 12.03.2026 ab 15:30 Uhr und am 13.03.2026 sind dann auch Wissenschaftler:innen, Studierende der Sozialen Arbeit und Erziehungswissenschaften, Praktiker:innen aus der

Kinder- und Jugendhilfe, politischen Bildung, Politiker:innen und alle am Thema Interessierten herzlich eingeladen, mitzudiskutieren.

 

Die Tagung findet im Hauptgebäude der Universität Rostock (Universitätsplatz 1, 18055 Rostock) statt und ist für alle Teilnehmer*innen kostenlos. 

Anmelden können Sie sich über: https://eveeno.com/315327299

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass wir als Weiterbildungsträger anerkannt sind und die Teilnahme als Fort- und Weiterbildung zählen. 

Wir würden uns sehr freuen, viele von Ihnen auf der Tagung zu sehen, um dieses so wichtige Thema den Raum zu geben, den es verdient! 

 

Kinderarmut ist kein Randphänomen!

21.01.2026: „Abgehängt?! Armut macht einen Unterschied“ – wie soziale Ungleichheit Kinder und Jugendliche beeinflusst

Kinderarmut zählt in Deutschland zu den drängendsten gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen. Laut dem Statistischen Bundesamt (2024) leben rund 2,1 Millionen junge Menschen in armutsgefährdeten Haushalten – das sind etwa 15 bis 20 % aller Kinder und Jugendlichen. Damit ist in Deutschland jedes siebte Kind von Armut betroffen oder bedroht. Die Armutsgefährdungsquote von Kindern liegt deutlich über der der Gesamtbevölkerung, mit weitreichenden Folgen für Bildung, Gesundheit und Teilhabe.

Das Armutsrisiko von Kindern und Jugendlichen hängt eng mit der Erwerbssituation der Eltern zusammen. Alleinerziehende, insbesondere Frauen, sowie Familien mit mehreren Kindern sind überdurchschnittlich oft von prekären Lebensverhältnissen betroffen. Niedrige Löhne, befristete Arbeitsverträge und Teilzeitbeschäftigung verschärfen die Problematik zusätzlich.

Zudem belasten hohe Miet- und Lebenshaltungskosten viele Familien massiv. In Ballungsräumen führen steigende Wohnkosten, in ländlichen Regionen geringe Einkommen und hohe Mobilitätsausgaben dazu, dass die verfügbaren Mittel häufig nicht ausreichen, um wohnortnahe Bildungs- und Gesundheitsangebote wahrzunehmen, mit deutlichen Auswirkungen auf gesundheitliche und soziale Ungleichheiten. Fehlende Rücklagen führen dazu, dass bereits unvorhergesehene Ausgaben, etwa für eine Autoreparatur, eine defekte Waschmaschine, dem Führerschein oder dringend benötigte medizinische Leistungen, Familien in finanzielle Krisen stürzen können. 

Die Folgen sind gravierend: Gesundheitliche Risiken, soziale Ausgrenzung und psychische Belastungen nehmen zu. Kinder aus einkommensschwachen Haushalten haben oft geringeren Zugang zu kostenfreien Bildungsangeboten, kultureller Teilhabe oder digitaler Infrastruktur. Diese Ungleichheit manifestiert sich frühzeitig: schon im Grundschulalter zeigen sich deutliche Unterschiede in Lernchancen und Bildungswegen, mit langfristigen Auswirkungen auf die gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Perspektive.

Wie Redegeld (2025) betont, führen diese kumulierten Belastungen dazu, dass Armut „vererbt“ wird, sie verfestigt sich über Generationen und gefährdet die soziale Mobilität nachhaltig.

Um die Situation in Mecklenburg-Vorpommern vertieft zu beleuchten und konkrete Handlungsperspektiven zu entwickeln, fand am 21.01.2026 in Parchim die Tagung „„Abgehängt?! Armut macht einen Unterschied“ – wie soziale Ungleichheit Kinder und Jugendliche beeinflusst“, moderiert von Anna Bahr, statt. 

Daniela Brodesser hat mit einer Lesung aus ihrem Buch „Armut“ (2023) den Fachtag eröffnet uns alle tief berührt: mutig, ehrlich und reflektiert, hat sie ihre Geschichte als ehemals betroffene Mutter geteilt. In vielen Gesprächen danach wurde deutlich, wie wichtig es ist, diesen Raum für ein gesellschaftlich tabuisiertes Thema zu schaffen.

Ein weiteres Highlight dieses Tages war die Keynote von Prof. Dr. Francis Seeck: Diskurs öffnend, enttabuisierend und kritisch reflexiv konnten alle Teilnehmenden einen Einstieg in Klassismus und Kinderarmut als oftmals vergessene Dimensionsebene wagen.
Wer klassismuskritisch arbeiten möchte, dem empfehlen wir  sehr das Kartenset „Wann wird Klassismus sichtbar?“ ein praktisches Reflexions- und Austauschformat, ideal für Bildungskontexte und Teams: 👉 https://lnkd.in/e6MfbNzz
Aus den erst so einfach gelesenen Karten, eröffnet sich schnell ein ungeahnt tiefgreifender und selbstreflexiver Blick auf erlebte Diskriminierung und Klassismus.

Die Workshops von Daniela Brodesser, Prof. Dr. Francis Seeck, den Bildungskoordinatoren LK LUP Manuel Hobe und Dr. Diana Richert, Luca Dessombes und Thomas Krieger vom Soziale Bildung e. V., Marie-Therese Volkmann und Cornelia Harder von der Kontiki Kinderschutzbund LV MV sowie Klara Honsl von der Between The Lines gGmbH waren mit viel Herz, Engagement und Praxiserfahrung vorbereitet. In unterschiedlichen Formaten konnten Teilnehmende praxisrelevante, diskriminierungssensible und klassismuskritische Ansätze für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Familien und Fachkräften erlernen und selbst erproben.
 

Ein ganz herzliches Dankeschön geht an unser Orga-Team, das am 21.01.2026 im Solitär in Parchim für rund 80 Teilnehmer:innen einen großartigen Fachtag auf die Beine gestellt hat:

👉 Cornelia Harder (Kontaktstelle Kinderschutz LV MV),
👉 Manuel Hobe (Bildungskoordinator LK LUP) und
👉 Luca Dessombes (Soziale Bildung e. V.)

mit Euch zu planen, zu denken und zu gestalten war wie immer inspirierend, empowernd und einfach bereichernd.

Ein großer Dank geht auch an Marina Schubert (Khoch2, HSD) und vor allem an unsere Studierenden der Universität Rostock Yanitsa Eisenberg, Gina Paasch, Ruby Leonhardt, Marlene Petersen und Johanna Bannert, die uns ehrenamtlich tatkräftig unterstützt haben! Ohne euch alle wäre dieser Tag nicht so rund und professionell gelaufen.

Wir sind sehr dankbar für diesen Tag, den Austausch, die Reflexionen und die Impulse und freuen uns sehr auf die weitere Vernetzung und Umsetzung der gewonnenen Erfahrungen in die Praxis!

 

Vorlesungen der Ringvorlesung Kinderrechte und Kinderschutz

Wintersemester 2025/2026

20.01.2026: Kinderrechte & Kinderschutz – eine organisationspädagogische Perspektive

Prof. Dr. Christian Schröder, HTW Saarbrücken

Anna Bahr, Prof. Dr. Christian Schröder, Maike Nadar

Story Doing beginnt dort, wo Organisationen aufhören, über Beteiligung zu sprechen und anfangen, reale Räume für einen kinderrechtebasierten Kinderschutz zu gestalten.

Genau hier setzte der wunderbare Austausch im Rahmen der Ringvorlesung Kinderrechte und Kinderschutz mit Prof. Dr. Christian Schröder von der HTW des Saarlandes an. Seine organisationspädagogische Perspektive auf Kinderrechte und Kinderschutz macht deutlich, dass Partizipation kein methodisches Add-on ist, sondern das Ergebnis bewusster organisationaler Gestaltung.

Wir sind sehr dankbar für die klugen Impulse, den Einblick in die Forschung von Christian Schröder und den offenen, wertschätzenden Dialog. Besonders die Verbindung von Story Doing und Social Design Thinking eröffnet starke Perspektiven dafür, wie Organisationen Kinderrechte nicht nur erzählen, sondern vielmehr wirksam umsetzen können.

Wir freuen uns sehr auf den weiteren Austausch zum Social Design Thinking oder zu länderübergreifenden Perspektiven der Umsetzung von Kinderrechten im CAPACITI-Kontext.

 

 

13.01.2026: „Kinder von Müttern mit Borderline Erkrankung“

Prof. Dr. Ulrike Urban-Stahl, Freie Universität Berlin

Maike Nadar, Prof. Dr. Ulrike Urban-Stahl, Anna Bahr

„Ich habe gehört, du machst da was mit Kinderschutz.“

So – fast beiläufig – begann eine fachbereichsübergreifende Begegnung, aus der später ein Forschungszusammenhang wurde, der heute exemplarisch für reflexive, interdisziplinäre Kinderschutzforschung steht.

Der diesjährige Auftaktvortrag von Prof. Dr. Ulrike Urban-Stahl von der Freien Universität Berlin zu „Müttern mit Borderline-Diagnose und ihren Kindern“ hat eindrücklich gezeigt, was entsteht, wenn sozialpädagogische Kinderschutzforschung und (psychoanalytisch geprägte) klinische Perspektiven nicht nebeneinander bleiben, sondern sich irritieren lassen.

Besonders überzeugend war für uns dabei der konsequente Perspektivwechsel:

Nicht die Diagnose als Ausgangspunkt, sondern das Erleben von Hilfen, die Beziehungen zwischen Hilfesystemen und den Stimmen der Mütter selbst stehen im Zentrum. Die rekonstruierten hilfesystemübergreifenden Figurationen machen sichtbar, wie sehr Unterstützung, Schutz und Autonomie im Alltag von Familien zwischen Institutionen ausgehandelt werden. Nicht selten sind diese widersprüchlich, manchmal entlastend, selten wirklich integriert.

Wir danken allen Teilnehmenden der Ringvorlesung Kinderrechte & Kinderschutz für das große Interesse und die engagierte Beteiligung. Wir freuen uns wirklich sehr, mit diesen Themen so viele Menschen erreichen zu können.

25.11.2025: Kinderrechte als normative Basis für die Gestaltung von Schule und Unterricht? Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte ausgestalten

Dr. David Rott & Dr. Daniel Bertels, Universität Münster

Anna Bahr, Dr. Daniel Bertels & Dr. David Rott

Am 25.11.2025 hörten wir den tiefgreifenden Vortrag von Dr. David Rott und Dr. Daniel Bertels von der Universität Münster. 

Ihr Beitrag zu „Kinderrechten als normativer Basis für die Gestaltung von Schule und Unterricht“ hat uns nicht nur inspiriert. Er hat uns aufgerüttelt, herausgefordert und ermutigt, Schule und pädagogische Beziehungen nochmals neu zu denken.

Mit ihrem Gutachten „Kinderrechte als Grundlage für Schule und Unterricht“ zeigen die beiden in beeindruckender Klarheit, wie Kinderrechte zu echtem Leben erweckt werden können: Wie Schutz, Förderung und Beteiligung nicht nur formuliert, sondern gestaltet werden. Wie Schule ein Ort werden kann, der Kinder ernst nimmt – als Menschen mit Rechten, Bedürfnissen und Stimmen, die gehört werden müssen.

Wir sind zutiefst beeindruckt von diesen großartigen Menschen, die mit so viel Haltung und Herzblut Forschung und Praxis miteinander verweben und zwar in beide Richtungen. Sie übersetzen wissenschaftliche Erkenntnisse in mutige Alltagspraxis und lassen gleichzeitig die Erfahrungen aus Schulen zurückfließen in die Forschung. Ein echter Kreislauf der Verantwortung.

Als Prof. Dr. Kathinka Beckmann mehr politischen Widerstand gegen die Missachtung von Kinderrechten einforderte, fühlten wir uns sofort angesprochen.

Ja – wir sind gerne Komplizinnen.

Daniel und David haben es so treffend auf den Punkt gebracht: Wir sind Kompliz:innen für ethischen Beistand in pädagogischen Beziehungen, für achtsame und hochwertige Wissensvermittlung und für eine reflexive Professionalität, die Kinderrechte nicht nur kennt, sondern lebt.

Wir sind unglaublich dankbar, gemeinsam mit euch den Blick über den Tellerrand schweifen zu lassen. 

Solche Momente erinnern uns daran, warum wir tun, was wir tun: Weil Kinderrechte nicht verhandelbar sind. Weil Schule ein sicherer, fördernder und beteiligender Ort sein muss.
Und weil Veränderung immer mit Menschen beginnt, die es ernst meinen.

Auf viele weitere Begegnungen, Impulse und Allianzen für eine kinderrechtsbasierte Bildungswelt.

11.112025 "Irrwege im Theorie-Praxis-Transfer"

Verw. Prof. Dr. Julian Sehmer, HAWK Holzminden

Anna Bahr, . Prof. Dr. Julian Sehmer

Ein Vortrag, der nachhallt: „Irrwege im Theorie-Praxis-Transfer“ 

Am 11.11.2025 hat der Beitrag von Prof. Dr. Julian Sehmer von der HAWK Holzminden uns mal wieder tief bewegt. Selten erlebt man jemanden, der mit so viel Mut, Klarheit und Empathie über die eigenen Forschungswege – und Irrwege – spricht.

Besonders beeindruckend war, wie offen Prof. Sehmer die blinden Flecken wissenschaftlicher Praxis thematisiert und zeigt, wie sehr Theorie und Praxis einander brauchen, um Kinderschutz wirklich gut zu gestalten. Seine Gedanken zur dialogischen Wissenstransformation haben mich besonders inspiriert.

Julian Sehmer verbindet fachliche Schärfe mit einer unglaublich wertschätzenden Art gegenüber Fachkräften, Studierenden und dem Gegenstand selbst. Dieses Zusammenspiel macht seinen Beitrag so eindrücklich und seine Haltung so bedeutsam.

Wir sind dankbar für sein Engagement, seinen Mut (wie schon in seiner Vorlesung zu Rechtsextremismus) und dafür, wie er die multiprofessionelle Zusammenarbeit und das Transferverständnis im Kinderschutz stärkt.

Ein Vortrag, der uns definitiv weiter begleiten wird.

04.11.2025 Die politische Missachtung von Kindern und Kinderrechten

Prof. Dr. Kathinka Beckmann

von rechts nach links: Prof. Dr. Kathinka Beckmann, Anna Bahr, Maike Nadar

„Ich wünsche mir mehr Widerstand.“ – Kathinka Beckmann

Diese Worte hallen nach.
In ihrem Vortrag „Politische Missachtung von Kinderrechten & Kindern“ im Rahmen der Ringvorlesung Kinderrechte und Kinderschutz des Transferzentrums hat Prof. Dr. Kathinka Beckmann nicht nur über Missstände gesprochen, sie hat uns nachhaltig bewegt.

Kathinka hat deutlich gemacht, dass die Missachtung der Kinderrechte nicht nur ein politisches Versäumnis ist, sondern ein Spiegel unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Wir alle, ob in Universitäten, Fachhochschulen, der Praxis oder Forschung tragen Verantwortung dafür, dass Kinderrechte nicht nur auf dem Papier existieren, sondern gelebt, verteidigt und weitergetragen werden.
Gerade dann, wenn Kinder und ihre Rechte, wie Aladin El-Mafaalani sagt, als „Minderheit ohne Schutz“ politisch keine Priorität haben, braucht es Menschen, die klar sprechen, unbequem bleiben und sich nicht mit symbolischer Anerkennung zufriedengeben.

Der Vortrag von Kathinka Beckmann hat wieder sehr viele Menschen erreichen können, vor Ort und digital. Vielen Dank an alle, die wöchentlich vor Ort sind oder sich online einschalten. Vielen Dank für die regelmäßigen, wertschätzenden und aktiven Diskussionen. 

Ein herzlicher Dank auch an Kathinka. Dein Vortrag hat inspiriert, wachgerüttelt und ermutigt.

Wir sind empowert und im Widerstand! 

Fachtag „Geschichten, die zählen“ - ein Trailog zwischen Angehörigen, Praxis und Wissenschaft

14.10.2025

von links nach rechts: Anna Bahr, Prof. Dr. Fatma Çelik, Maike Nadar, Lena Melle, Prof. Dr. Brachmann, Sabrina Drews, Bettina Becker


Unter diesem Titel haben wir als Transferzentrum Kinderrechte & Kinderschutz MV am 14. Oktober 2025 unseren Fachtag in Rostock gestaltet – ein Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen zwischen Angehörigen, Praxis und Wissenschaft.

Wir danken von Herzen Bettina Becker, die ihre Erfahrungen als Angehörige einer Betroffenen von sexualisierter Gewalt in der Kindheit mit uns geteilt und damit vielen Eltern und Fachkräften Mut gemacht hat, hinzuschauen, zuzuhören und dranzubleiben.

Ebenso danken wir Lena Melle und Sabrina Drews von der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Stark machen e. V. in Rostock.
Die beiden haben mit beeindruckender Klarheit gezeigt, wie wichtige, mutige und zugleich herausfordernde Arbeit Fachberatung im Kontext sexualisierter Gewalt bedeutet und wie viel Empowerment, Kreativität, Haltung und Hoffnung darin stecken.

Ein besonderer Dank gilt Prof. Dr. Fatma Çelik von der Hochschule Düsseldorf, die das Gehörte in ihrer wissenschaftlichen Einordnung reflektiert und die aktuellen Diskurse der Forschung zu Täter:innenstrategien, Mythen und institutioneller Verantwortung aufgezeigt hat.
Ihre Beiträge (im Fachtag sowie in der abendlichen Ringvorlesung) haben deutlich gemacht, wie dringend (!) Wissenschaft, Praxis und Angehörige miteinander in den Dialog gehen müssen, um einen ganzheitlichen Kinderschutz nachhaltig zu stärken.

Herzlichen Dank 💛

Wir bedanken uns bei allen, die diesen Tag mitgestaltet, begleitet oder einfach zugehört haben – denn:

Alle Geschichten zählen.

21.10.2025 Behindert und stolz - Was Kinder mit Behinderung von uns erwarten

Prof. Dr. Janieta Bartz, Hochschule Düsseldorf

Am 21. Oktober 2025 referierte Prof.Dr. Janieta Bartz von der Hochschule Düsseldorf im Rahmen der Ringvorlesung „Kinderrechte & Kinderschutz“ über das Thema „Behindert und stolz - Was Kinder mit Behinderung von uns erwarten.“ Der Vortrag rückte die Perspektiven von Kindern mit Behinderung in den Mittelpunkt – Kinder, die oft weniger durch ihre körperlichen oder geistigen Behinderungen, sondern vielmehr durch gesellschaftliche Barrieren behindert werden.

Prof. Bartz betonte, dass Behinderung kein individuelles Problem, sondern das Ergebnis von gesellschaftlichen Strukturen und Einstellungen ist, die Teilhabe einschränken. Aufbauend auf Forschungsprojekten zu kindlichen Wahrnehmungen zeigte sie, dass Kinder Behinderung sehr unterschiedlich verstehen: mal als etwas Fremdes, mal als etwas ganz Normales – und oft verbunden mit Wünschen, Freundschaft und Spaß.

Kinder mit Behinderung wünschen sich in erster Linie, einfach Kinder sein zu dürfen – ohne Mitleid, Leistungsdruck oder ständige Bewertung. Viele träumen nicht davon, „gesund“ zu sein, sondern von einem Leben ohne Ausgrenzung.

Der Vortrag schloss mit einem klaren Appell: Wir müssen den Paradigmenwechsel vollziehen – vom Behindert-Sein zum Behindert-Werden – und Kinder in ihrer Vielfalt anerkennen.

 „Behindert und stolz“ steht damit für Selbstbestimmung, Resilienz und die Forderung nach echter Gleichberechtigung.

Ein herzlichen Dank an unsere tolle Referentin Prof. Dr. Janieta Bartz und ihren Studenten Erik Loch, der seine Dozentin unterstützte. 

28.10.2025 Verletzungen in pädagogischen Interaktionen - kinderrechtlich bedeutsam?

Prof. Dr. Annedore Prengel, Universität Potsdam

von links nach rechts: Anna Bahr, Prof. Annedore Prengel, Maike Nadar, Line Großklaus

„Wir sind alle verletzte Wesen.“ – Annedore Prengel

Am 28.10.2025 durften wir im Rahmen der Ringvorlesung Kinderrechte & Kinderschutz des Transferzentrums, den beeindruckenden Vortrag von Prof. Dr. Annedore Prengel zum Thema „Verletzungen in pädagogischen Interaktionen“ erleben – ein Vortrag, der tief berührt und zum Nachdenken anregt.

Mit großer Klarheit und Empathie sprach sie darüber, wie feinfühlig pädagogische Beziehungen gestaltet werden müssen, um Kinder und Jugendliche in ihrer Würde zu achten. Ihr kinderrechtliches Verständnis bildet dabei den roten Faden: Bildung und Erziehung dürfen niemals auf Kosten der seelischen Unversehrtheit gehen.

Besonders beeindruckend war, wie Prof. Prengel die Verletzlichkeit als gemeinsame menschliche Erfahrung beschrieb und das nicht als Schwäche, sondern als Ausgangspunkt für Mitgefühl, Respekt und professionelle Reflexion.

Wir sind ihr zutiefst dankbar für diesen gehaltvollen und inspirierenden Beitrag, der uns alle daran erinnert, wie wichtig Achtsamkeit, Beziehungskompetenz und Selbstreflexion in der pädagogischen Arbeit sind.

 

Sommersemester 2025

08.04.2025: Kinderrechte & Kinderschutz – eine Bestandsaufnahme

Prof. Dr. Jens Brachmann, Anna Bahr, M.A. & Maike Nadar, M.A., M.S.W., Universität Rostock

Am 8. April 2025 eröffnete die Universität Rostock die Ringvorlesung „Kinderrechte & Kinderschutz“ mit einer Auftaktveranstaltung unter dem Titel „Kinderrechte und Kinderschutz – eine Bestandsaufnahme“. Ziel der Reihe ist es, vielfältige Perspektiven auf das Thema sichtbar zu machen und regionale Anliegen aus Mecklenburg-Vorpommern mit bundesweiten Diskursen zu verbinden. Wissenschaftliche und praktische Stimmen sollen gemeinsam eine Sprache entwickeln, um den interdisziplinären Austausch auf Augenhöhe zu fördern und bestehende Sprachlosigkeit im Themenfeld zu überwinden.

Die Veranstaltung wurde mit einem Grußwort von Prof. Dr. Jens Brachmann eröffnet, Leiter des Instituts für Allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik sowie Projektleiter des Transferzentrums Kinderschutz & Kinderrechte an der Universität Rostock. Er hob die gesellschaftliche Relevanz des Kinderschutzes hervor: Es gehe nicht nur um rückblickende Fallanalysen, sondern darum, Risiken frühzeitig zu erkennen und gesellschaftliche Strukturen kinderfreundlich zu gestalten.

Im anschließenden Trialog diskutierten Anna Bahr,Prof. Dr. Jens Brachmann und Dr. Sybille Bachmann, Prorektorin der Universität Rostock, die Bedeutung von Wissenstransfer und die Notwendigkeit eines engen Austauschs zwischen Wissenschaft, Praxis und Adressat:innen. Ziel sei es, praxisrelevante Forschungslücken gemeinsam zu identifizieren und wissenschaftliche Erkenntnisse partizipativ aufzubereiten.

Anna Bahr stellte zudem das Transferzentrum Kinderschutz & Kinderrechte vor, das sich für die Anerkennung von Kindern und Jugendlichen als Rechtssubjekte und aktive Mitgestaltende der Gesellschaft einsetzt. Es versteht sich als Plattform für einen multiperspektivischen und partizipativ-emanzipatorischen Dialog. Maike Nadar rundete die Veranstaltung mit einer Bestandsaufnahme zur Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen ab. Ausgehend von der These Aladin El-Mafaalanis, dass Kinder eine strukturell schutzlose Minderheit seien, stellte sie zentrale Herausforderungen im Kinderschutz dar.

Die Resonanz auf die Auftaktveranstaltung war überwältigend: Rund 215 Teilnehmende – darunter zahlreiche Studierende und Fachkräfte aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland– verfolgten die Veranstaltung vor Ort oder digital.

15.04.2025: Die Würde des Kindes

Prof. DR. Joachim Söder, Katho Aachen

Prof. Dr. Joachim Söder
Prof. Dr. Lothar Krappmann, Prof. Dr. Joachim Söder, Maike Nadar
Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt, Prof. Dr. Joachim Söder, Maike Nadar

Am 15. April setzte Prof. Dr. Joachim Söder von der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Aachen, die Ringvorlesung mit einem Vortrag zur „Würde des Kindes“ fort.

Er näherte sich dem Thema aus philosophischer Perspektive und stellte die zentrale Frage, ob Kinder – ausgehend von der Vorstellung von Menschenwürde als Fähigkeit zur Selbstbestimmung – über diese Fähigkeit verfügen.

In Anlehnung an Janusz Korczaks Aussage „Kinder werden nicht erst Menschen, sie sind es bereits“ (SW, Band 9, S. 50) betonte er, dass Kinder von Beginn an vollwertige Menschen seien, auch wenn sie ihre Selbstbestimmung altersbedingt auf andere Weise artikulieren als Erwachsene.

Menschenwürde sei ein inhärenter Wert, der nicht nur als Prämisse verstanden werden dürfe, sondern auch einen Gestaltungsauftrag an jede:n Einzelne:n sowie an die Gesellschaft insgesamt richte.
Besondere Gäste der Veranstaltung waren Prof. Dr. Lothar Krappmann, ehemaliges Mitglied des UN-Kinderrechteausschusses, und Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Beide bereicherten die anschließende Diskussion mit ihrer internationalen Expertise.

22.04.2025: Wo kommen deine Haare her? Diskriminierungssensibles Handeln in der Kinder- und Jugendhilfe

Saloua Mohammed, M.A., Ida NRW e.V.

Saloua Mohammed, Anna Bahr

Am 22. April sprach Saloua Mohammed (M.A.), Sozialarbeiterin und Wissenschaftlerin bei Ida NRW e.V., über „Wo kommen deine Haare her? Diskriminierungssensibles Handeln in der Kinder- und Jugendhilfe“. In ihrem Vortrag  zeigte sie auf emphatische und eindrucksvolle Weise, wie tief Diskriminierung im Alltag verankert ist und welche Auswirkungen dies auf junge Menschen hat. Sie erläuterte zentrale Konzepte wie Intersektionalität, Privilegienbewusstsein und Ideologien der Ungleichwertigkeit anhand konkreter Beispiele.
Sie betonte, dass professionelle pädagogische Arbeit kritische Selbstreflexion, Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung sowie aktives solidarisches Handeln erfordere. Empowerment-Prozesse müssten gezielt gestärkt werden. Ihr Appell richtete sich nicht nur an Fachkräfte, sondern an alle relevanten Akteur:innen im Feld der Kinder- und Jugendhilfe.

Heute, am 29. April 2025, wird der Jugendforscher Prof. Dr. Andreas Thimmel von der TH Köln in seinem Vortrag „Kinder- und Jugendrechte und verlässliche Strukturen und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit“ für eine eigenständige, konsequentere Kinder- und Jugendpolitik plädieren. Er sieht in der Kinder- und Jugendarbeit nach §§ 11–13 SGB VIII – darunter offene Arbeit, Jugendverbandsarbeit, internationale Jugendarbeit, politische Bildung, Jugendsozialarbeit und Freiwilligendienste – einen zentralen Baustein zur Umsetzung der Kinder- und Jugendrechte.
Notwendig sei eine übergreifende Zusammenarbeit aller föderalen Ebenen – von der Kommune bis zur EU – sowie eine partnerschaftliche Kooperation zwischen freien und öffentlichen Trägern. Ziel sei eine reflexive, an Mündigkeit und Subjektorientierung ausgerichtete Jugendpädagogik im Rahmen einer inklusiven Bildungs- und Freizeitlandschaft.

29.04.2025: Kinder- und Jugendrechte und verlässliche Strukturen und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit

Prof. Dr. Andreas Thimmel, TH Köln

Prof. Dr. Andreas Thimmel, Prof. Dr. Jens Brachmann
Prof. Dr. Andreas Thimmel, Anna Bahr

Am 29. April 2025 kam der bekannte Jugendforscher Prof. Dr. Andreas Thimmel von der TH Köln nach Rostock, um seinen Vortrag „Kinder- und Jugendrechte und verlässliche Strukturen und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit“ zu halten.
Im Zentrum standen die Rechte aus der UN-Kinderrechtskonvention – vor allem das Recht auf Mitbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und kulturelle Betätigung.

Prof. Thimmel erklärte, dass es eine starke Bildungsstruktur außerhalb der Schule brauche, um diese Rechte umzusetzen. Die Kinder- und Jugendarbeit nach §§ 11–13 SGB VIII spiele dabei eine zentrale Rolle – etwa in der offenen Jugendarbeit, der politischen Bildung oder im internationalen Jugendaustausch.

Besonders betonte er, wie wichtig politische Bildung als grundlegende Kompetenz für alle Fachkräfte ist. In diesem Zusammenhang stellte er das Projekt „Momente – Alltagsorientierte politische Bildung“ vor und wies auf die daraus entstandene praxisnahe Handreichung hin, die kostenlos online als PDF abrufbar ist: Zur Handreichung der TH Köln (PDF).

Zudem erklärte er, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um eine Jugendpädagogik zu ermöglichen, die junge Menschen ernst nimmt, Vielfalt anerkennt und aktiv gegen Benachteiligung arbeitet. Besonders wichtig sei dabei die gute Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen – von der Kommune bis zur EU – sowie die enge Kooperation zwischen freien und öffentlichen Trägern.

06.05.2025: Armutssensibles pädagogisches Handeln

Soziale Bildung e.V.

Luca Dessombes
Kristina Quandt
Maike Nadar, Luca Dessombes, Kristina Quandt, Anna Bahr

Am 6. Mai 2025, setzte Soziale Bildung e.V. mit der Veranstaltung „Praxisdialoge: Kinder stärken – Vielfalt und Beteiligung im Fokus“ einen weiteren wichtigen Impuls. Erstmals nahmen auch regionale Partnerorganisationen teil – eine Premiere, die uns und die Teilnehmenden freute.

Im Mittelpunkt stand das Thema armutssensibles pädagogisches Handeln. 

Vorgestellt wurde ein ganzheitliche Konzept auf Grundlage vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung, das sowohl Kinder als auch Fachkräfte stärkt.

Die Referentinnen Luca Dessombes und Kristina Quandt gaben praxisnahe Einblicke in ihre Arbeit. Sie zeigten, wie im Projekt „Praxisdialoge“ Kinder darin bestärkt werden können, ihre Identität zu entwickeln, Vielfalt wertzuschätzen, Ungerechtigkeit zu erkennen und sich aktiv gegen Diskriminierung einzusetzen. Gleichzeitig wurden Fachkräfte dazu angeregt, ihre eigenen Prägungen sowie strukturelle Bedingungen kritisch zu reflektieren – mit dem Ziel, klassismuskritisch, diskriminierungssensibel und empowernd zu arbeiten.

Die Veranstaltung machte deutlich: Armut ist nicht nur ein soziales, sondern auch ein pädagogisches Thema – dem Fachkräfte mit Haltung, Fachwissen und Engagement begegnen müssen. Nach der Veranstaltung sagten uns die beiden:

 

„“Ich gründe morgen einen Kinderrat!“ ,sagte eine Teilnehmerin nach dem Vortrag. Für uns ein starkes Zeichen: Kinderrechte praktisch umsetzen und dabei auch Armut und Klassismus mitdenken.“

20.05.2025: Das laute Schweigen hören

Lena Jensen, Betroffene und Influencerin

Anna Bahr, Lena Jensen, Maike Nadar

Am 20. Mai 2025 bereicherte Lena Jensen unsere Ringvorlesung mit ihrem bewegenden Vortrag „Das laute Schweigen hören“. Als Überlebende sexualisierter Gewalt im Kindesalter berichtete sie eindrucksvoll von ihren Erfahrungen und ihrem Weg der Bewältigung. Heute engagiert sie sich unter dem Namen @lenajensn als Influencerin öffentlich für Aufklärung und Prävention. Dabei ist sie ein Licht für all jene, die Ähnliches erlebt und überlebt haben.

Lena Jensen teilt die Geschichten anderer Überlebender anonymisiert und verleiht so jenen eine Stimme, die ihre eigene noch nicht gefunden haben.
Ihr persönlicher Bericht bot wichtige Einblicke in Täterstrategien, die Gefühlswelt von Überlebenden sowie die Bedeutung professioneller Fachkräfte als unterstützende Begleiter*innen.

Mit Blick auf Fachkräfte schilderte sie eindrucksvoll, wie ein einziger Kommentar einer aufmerksamen Erzieherin in ihrem Fall zur Aufdeckung des jahrelangen Missbrauchs führte. Besonders hob sie auch die Rolle ihrer Therapeutin hervor, die ihr nicht mit Mitleid, sondern mit professioneller Unterstützung zur Seite stand. Als Lena Jensen im Alter von sieben Jahren suizidgefährdet war, half ihr diese Therapeutin zu erkennen, dass ihr Leben nicht von den vergangenen sieben Jahren bestimmt sein müsse – sondern dass sie selbst in der Hand habe, wie sie ihre Zukunft gestalten möchte.

Sie berichtete uns, wie sie durch therapeutische Begleitung herausfand, dass sie auf Bühnen stehen will und so eine Zukunftsperspektive fand. Wir sind sehr dankbar, dass sie das heute tut – und sich mit so viel Kraft und Offenheit für den Schutz von Kindern einsetzt. 

27.05.2025: Kinderrechte und Kinderschutz in der Kinder- und Jugendhilfe

Prof. Dr.Dr. h.c. Reinhard Wiesner, ehemals BMFSFJ

Prof. Dr.Dr. h.c. Reinhard Wiesner, Anna Bahr, Prof. Dr. Jens Brachmann, Maike Nadar

Am 27. Mai 2025 war Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Wiesner, einer der wichtigsten Experten für Kinderrechte und Kinderschutz in Deutschland zu Gast in der Ringvorlesung.

Prof. Wiesner war viele Jahre im Bundesfamilienministerium tätig und gilt als Vater des  Kinder- und Jugendhilfegesetz, des SGB VIII. Er ist einer der führenden Köpfe, wenn es um den rechtlichen Rahmen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen geht.

In seinem Vortrag stellte Wiesner die besondere verfassungsrechtliche Stellung von Kindern heraus: Sie sind Träger eigener Grundrechte, benötigen aber gleichzeitig besonderen Schutz, um sich zu selbstbestimmten Persönlichkeiten entwickeln zu können. Dabei erläuterte er, wie dieser Schutzauftrag im Spannungsfeld zwischen Elternverantwortung, staatlicher Fürsorgepflicht und der Rolle freier Träger ausgestaltet ist.

Ein besonderer Fokus lag auf der Kinder- und Jugendhilfe gemäß dem SGB VIII. Hier betonte Wiesner die ambivalente Rolle des Jugendamtes – als Unterstützungsinstanz für Eltern einerseits und als Kontrollorgan im Falle von Kindeswohlgefährdungen andererseits. Auch die zunehmende Bedeutung der „Elternarbeit“ wurde diskutiert.Der Vortrag unterstrich eindrücklich: Kinderschutz ist nicht nur eine gesetzliche Aufgabe, sondern erfordert Haltung, Ressourcen und eine enge Kooperation aller Beteiligten. 

03.06.2025: Ombudschaft für Kinder, junge Menschen und Familien

Ombudschaftsstelle M-V

Am 3. Juni 2025 hatten wir die Freude, wieder Praktiker*innen aus Mecklenburg-Vorpommern zu begrüßen. In Kooperation mit der Hochschule Neubrandenburg gab uns Nadine Krutki von der Ombudschaftsstelle M-V wertvolle Einblicke in ihre Arbeit.

Unter dem Titel „Ombudschaft für Kinder, junge Menschen und Familien“ bot sie uns einen umfassenden Überblick über die Bedeutung der Ombudschaft und stellte die 2024 gegründete Ombudschaftsstelle MV vor.

Ziel dieser Veranstaltung war es, die zentrale Rolle der Ombudschaft im Bereich des Kinderschutzes hervorzuheben und aufzuzeigen, wie sie als wertvolle Anlaufstelle für Betroffene fungiert.

Die Ombudschaft ist ein zentraler Bestandteil des Kinderschutzes und daher ein wichtiges Thema in der Ringvorlesung. Sie unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien unabhängig bei der Wahrung ihrer Rechte. Die Ombudsstelle deckt Missstände auf, fördert den Dialog und schafft Vertrauen in sensiblen Bereichen. Sie berät vertraulich, kostenfrei und neutral in allen Belangen der Kinder- und Jugendhilfe. Die gesetzlich verankerte Ombudsstelle hilft bei Konflikten mit staatlichen Stellen, vermittelt zwischen Parteien und informiert über Rechte. Damit stärkt sie die Beteiligung und Rechte von Betroffenen nachhaltig.

Eine Bereicherung des Abends war der Erfahrungsbericht, der die theoretischen Inhalte des Vortrags mit gelebter Praxis bereicherte.
 

17.06.2025: Vorstellung Childhood-Haus Schwerin und kindsensible Justiz

Nadine Schirrmacher, Case Managerin im Childhood-Haus Schwerin

Am 17. Juli 2025 sprach Nadine Schirrmacher, Case Managerin im Childhood-Haus Schwerin, über ihre Arbeit. Sie war maßgeblich am Aufbau des 2022 eröffneten Hauses beteiligt.

Childhood-Häuser sind spezialisierte Einrichtungen, die Kindern und Jugendlichen, die Opfer von Gewalt oder Missbrauch geworden sind, umfassende Unterstützung bieten. Sie vereinen medizinische, psychologische und juristische Hilfe unter einem Dach, um den Betroffenen eine koordinierte, kindgerechte Betreuung zu ermöglichen. Das Konzept basiert auf dem skandinavischen Barnahus-Modell und wird in Deutschland von der World Childhood Foundationunterstützt.2022 wurde in Schwerin das erste Childhood-Haus in Mecklenburg-Vorpommern eröffnet. Es ist zuständig für die Gerichtsbezirke der Landeshauptstadt Schwerin sowie der Landkreise Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim. Frau Schirrmacher gab uns in ihrem Vortrag einen virtuellen Rundgang durch die Räumlichkeiten und berichtete von der interdisziplinären Zusammenarbeit mit Fachkräften aus Rechtsmedizin, Kinder- und Jugendmedizin, Polizei, Justiz, Jugendamt, Kinder- und Jugendpsychotherapie sowie psychoasozialer Prozessbegleitung. Sie berichtete, wie in einem geschützten Umfeld notwendige Untersuchungen, Vernehmungen und Beratungen koordiniert werden, um das Wohlbefinden der Betroffenen zu fördern und zusätzliche Belastungen zu vermeiden.

Frau Schirrmacher sprang kurzfristig für Prof. Dr. Annedore Prengel von der Universität Potsdam ein, die leider nicht zu unserem Vortrag „Verletzungen in pädagogischen Interaktionen – kinderrechtlich bedeutsam?“ erscheinen konnte. 

Der Ersatztermin ist der 28.10.2025. 

24.06.2024: Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen – ein geschlechtsspezifischer Blick auf betroffene Mädchen und Jungen

Jette Buettler, M.I.S.S. Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Stralsund

Am 24. Juni 2025 präsentierte sich in unserer Ringvorlesung ein weiterer Akteur aus Mecklenburg-Vorpommern. Unter dem Titel „Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen – ein geschlechtsspezifischer Blick auf betroffene Mädchen und Jungen“ referierte Jette Buettler von der M.I.S.S. Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Stralsund über die unterschiedlichen Formen, Dynamiken und Auswirkungen sexualisierter Gewalt aus einer geschlechtersensiblen Perspektive.

Ein zentraler Teil des Vortrags bestand darin, aktuelle Studien und Statistiken zu präsentieren, die eindrucksvoll belegen, dass sexualisierte Gewalt nach wie vor ein großes gesellschaftliches Problem darstellt. Sie berichtete von den Ergebnissen der unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, die davon ausgeht, dass es in jeder Schulklasse ein bis zwei betroffene Kinder gibt. Frau Buettler verdeutlichte, wie strukturelle, gesellschaftliche und institutionelle Rahmenbedingungen – etwa in Schulen oder familiären Kontexten – das Risiko von Missbrauch begünstigen oder eine Aufarbeitung erschweren können. Besonders hervorgehoben wurde, dass Mädchen und Jungen häufig unterschiedlich von sexualisierter Gewalt betroffen sind, diese unterschiedlich erleben und auch unterschiedliche Unterstützungsbedarfe haben. Ein geschlechtsspezifischer Blick auf das Thema ist daher unerlässlich – sowohl in der Beratung als auch in der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Die M.I.S.S. Beratungsstelle in Stralsund steht Betroffenen sexualisierter Gewalt sowie ihren Angehörigen vertraulich, kostenlos und auf Wunsch anonym zur Seite – persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Neben Beratung bieten sie auch kollegiale Fachberatung, Prävention und Fortbildung an. Ihre Arbeit verfolgt das Ziel, Schutz, Sicherheit und Selbstbestimmung wiederherzustellen und Hilfesuchende in ihrer eigenen Handlungsfähigkeit zu stärken.

 

01.07. 2025: Childism

Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit, HS Coburg

Am 01. Juli 2025 hielt Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit, von der Hochschule Coburg, über Zoom einen eindrucksvollen Vortrag zum Thema Childism (auch bekannt als Adultismus). Im Zentrum stand die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen zwischen Erwachsenen und Kindern.

Der Begriff Childism, geprägt von der Psychoanalytikerin Elisabeth Young-Bruehl, beschreibt ein tief verankertes Vorurteil gegenüber Kindern. Es geht davon aus, dass Kinder als unreif gelten, kontrolliert oder sogar als Eigentum behandelt werden dürfen – ein Denken, das diskriminierende Strukturen legitimiert. Vergleichbar mit Rassismus oder Sexismus führt Childism dazu, dass Kinder in ihrer Autonomie, Entwicklung und Würde eingeschränkt werden.

Prof. Lohrenscheit beleuchtete, wie solche Haltungen im Alltag, in Familienstrukturen und in Institutionen wirken, und plädierte für einen Perspektivwechsel: Kinder sollen nicht länger Objekte elterlicher oder staatlicher Kontrolle sein, sondern aktive Subjekte mit eigenen Rechten. 

Wir danken Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit für diesen interessanten Input und allen Teilnehmern für die rege Beteiligung im Chat, die die Ringvorlesung mit Leben füllt!

08.07.2025: "Kinderarbeit“, Neue Perspektiven zwischen Schutz und Empowerment

Dr. jur. Stephan Gerbig, LL.M., LMU München

Am Dienstag, den 8. Juli 2025, durften wir Dr. jur. Stephan Gerbig, LL.M., ehemaliger Mitarbeiter der Monitoringstelle Kinderrechte am Deutschen Institut für Menschenrechte und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München, bei uns begrüßen. In seinem Vortrag zum Thema „Kinderarbeit – Neue Perspektiven zwischen Schutz und Empowerment“ bot er einen differenzierten Einblick in ein vielschichtiges Thema, das nicht nur globale, sondern auch nationale Relevanz hat.

Ausgangspunkt seiner Analyse war Artikel 32 der UN-Kinderrechtskonvention, der Kindern Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung zusichert. Während Kinderarbeit meist mit Ländern des globalen Südens assoziiert wird, lenkte Dr. Gerbig den Blick auf die Situation in Deutschland: Auch hier üben zahlreiche Kinder und Jugendliche Tätigkeiten aus – sei es in Minijobs, im familiären Kontext oder in digitalen Räumen wie den Social-Media-Auftritten von Familieninfluencer:innen.

Dr. Gerbig zeigte auf, wo der bestehende Rechtsrahmen und das Hilfesystem in Deutschland Schutzlücken aufweisen, und diskutierte kritisch, wie neue Phänomene rechtlich und ethisch einzuordnen sind. Zugleich betonte er, dass Arbeit unter bestimmten Bedingungen auch eine Quelle von Selbstwirksamkeit und Teilhabe sein kann – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen.

Wir danken Dr. Gerbig für diesen wichtigen Beitrag!

 

15.07.2025: Kinderrechtebasierter Kinderschutz - Pädagogische Einrichtungen als sicherer Ort für Kinder

Prof. Dr. Jörg Maywald, Fachhochschule Potsdam

Prof. Dr. Jörg Maywald
Prof. Dr. Jens Brachmann

Den Abschluss unserer Ringvorlesung machte am 15. Juli 2025 Prof. Dr. Jörg Maywald mit einem Vortrag zum Thema „Kinderrechtebasierter Kinderschutz – Pädagogische Einrichtungen als sicherer Ort für Kinder“. In seinem eindrucksvollen Vortrag stellte er zentrale Grundlagen des kinderrechtsbasierten Kinderschutzes vor – mit einem klaren Fokus auf pädagogische Einrichtungen als sichere Orte für Kinder.

Besonders eindrücklich war seine Unterscheidung verschiedener Schutzebenen: vom klassischen intervenierenden Kinderschutz bei akuter Gefährdung bis hin zur umfassenden Umsetzung aller Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte im Sinne eines ganzheitlichen kinderrechtsbasierten Kinderrechtsschutzes. Dabei betonte Prof. Maywald die Verantwortung von Fachkräften, aber auch von Trägern und der Politik, ein Umfeld zu schaffen, in dem Kinder nicht nur geschützt, sondern auch beteiligt und gestärkt werden. Zudem betonte er, dass es auch darum ginge, die Fachkräfte selbst zu schützen und ihnen Handlungssicherheit zu geben. 

Ein zentrales Thema war der institutionelle Kinderschutz: Schutzkonzepte, Beteiligungsverfahren, Beschwerdemöglichkeiten und klare Notfallpläne sind kein „Extra“, sondern verpflichtend – rechtlich wie ethisch. Sie sollten nicht nur in den Schubladen der Institutionen liegen, sondern aktiv gelebt werden! 

Der Vortrag hat einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig ein systematischer, präventiver und partizipativer Ansatz im Kinderschutz ist. Wir danken Prof. Dr. Maywald herzlich für seine fachliche Klarheit und seinen engagierten Einsatz für die Rechte von Kindern.

Team

Prof. Dr. Jens Brachmann (Projektleiter)

Anna Bahr (M.A.)

Maike Nadar (M.A., M.S.W) 

Line Großklaus (studentische Hilfskraft, Politikwissenschaft & Erziehungswissenschaft, B.A.)

 

 

Ehemalige

Lenny Henze (Wissenschaftliche Hilfskraft)

Kontakt

Telefon:  +49 (0) 381 498 2698

Adresse: August-Bebel-Str. 28, 18055 Rostock,  Raum 2011  

Mail: transferzentrumuni-rostockde

Instagram: tz_kinderrechte.kinderschutz

Das Transferzentrum Kinderschutz & Kinderrechte lädt herzlich zur Kooperation und zum gemeinsamen Austausch ein. Wir freuen uns über den Dialog mit Kindern & Jugendlichen, Eltern & Erwachsene im Umfeld von Kindern, Studierenden, Professionelle & Institutionen kindnaher Professionen - im engeren und weiteren Sinn, Politik und allen, die sich für eine kinderrechte gerechte Gesellschaft engagieren möchten. Gemeinsam wollen wir innovative Ansätze entwickeln, bestehende Konzepte kritisch reflektieren und praxisnahe Handlungsoptionen stärken.

Ihre Ideen und Anregungen sind uns wichtig! Lassen Sie uns gemeinsam neue Perspektiven erarbeiten und den Kinderschutz sowie die Kinderrechte in unserer Gesellschaft nachhaltig verankern. Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit oder Ideen für gemeinsame Projekte haben, freuen wir uns darauf, mit Ihnen in Kontakt zu treten.

Vision und Mission

Unser Ansatz ist partizipativ-emanzipatorisch, diversitätssensibel, und kritisch gegenüber Rassismus, Adultismus und Machtverhältnissen. Die Arbeit am Transferzentrum ist sozialarbeiterisch und sozialpädagogisch verortet, mit einem starken Fokus auf soziale Gerechtigkeit und Anerkennung von Vielfalt. Wir bieten Raum für praxisorientiertes Lernen und die Entwicklung neuer Perspektiven und Handlungsoptionen.

Angebote des Transferzentrums

Fortbildung, Beratung und Begleitung zu:

  • Demokratisch arbeiten, handeln und entscheiden
  • diversitätssensible Bildungsarbeit im interkulturellen Kontext
  • Rechtsextremismus- und Rassismusprävention
  • Prävention in den Handlungsfeldern politischer Bildung
  • Gewaltfreie Kommunikation
  • Kritische Gesprächsführung im Kinderschutz
  • Multiprofessionelle Netzwerkarbeit

Beratung und Begleitung im Rahmen der Tätigkeit der Insoweit erfahrenen Kinderschutzfachkraft gem. § 8a SGB VIII

Fachtage, Seminare, Workshops und Vorträge rund um:

  • Menschenrechtsbildung
  • Kinderrechte und Kinderschutz
  • (systemische) kritische Gesprächsführung
  • Kinderschutz im Schulalltag
  • Kinderschutz und Datenschutz
  • Soziale Arbeit als Ort der politischen Bildung
  • Gender, Integration und Interkulturalität

 

Wir verstehen uns als sicheren und geschützten Raum zum Austausch, Üben und Reflektieren sowie zur Weiterentwicklung von Kinderschutzmaßnahmen.
Unser Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit Studierenden, Fachkräften, Institutionen und der Gesellschaft neue, kinderrechtebasierte Standards für eine gemeinsame Verantwortung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zu schaffen.

Archiv

Fachtag Sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche begegnen


Seit dem Jahr 2015 wird auf Initiative des Europarats jährlich am 18. November, im Rahmen des ‚European
Day on the Protection of Children against Sexual Exploitation and Sexual Abuse‘, auf die Thematik sexualisierter
Gewalt an Kindern und Jugendlichen und auf ihre sexuelle Ausbeutung aufmerksam gemacht. Ziel dieses Tages
ist es Menschen und Institutionen in Europa für alle Formen sexueller Gewalt und Ausbeutung sowie die
schwerwiegenden Verstöße gegen die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu sensibilisieren und gegen die
sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen zu engagieren.
Um hierzu einen Beitrag zu leisten, fand am 18.11.2024 von 8:30-13:30h initiiert und durchgeführt vom neu
gegründeten Transferzentrum Kinderschutz & Kinderrechte MV an der Universität Rostock ein Fachtag zum
Thema ‚Sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche begegnen‘ statt. Sexuelle Gewalt und
Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen ist bis heute ein in der Gesellschaft stark tabuisiertes und mit
diversen Mythen behaftetes Thema.
Der Fokus der Veranstaltung lag darauf, grundlegend über die Thematik zu informieren, verbreitete Mythen
zu dekonstruieren sowie Sicherheit im Erkennen und dem Umgang mit der Thematik und Betroffenen zu
vermitteln. Des Weiteren wurde das Thema von sexualisierter Gewalt betroffenen Jungen und Männern in
den Blick genommen. Ein Anliegen war es im konstruktiven Austausch Tabus und Sprachlosigkeit
aufzubrechen, von Betroffenen und Fachpersonen aus der Praxis zu lernen, um Kinder und Jugendliche zu
schützen und Betroffene begleiten und unterstützen zu können.
Hierzu wurden Marlin Pletscher und Julius Wolf von fax, der Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt in
Stadt und Landkreis Kassel, sowie eine Kollegin der Fachberatungsstelle M.I.S.S., mit dem Schwerpunkt
sexualisierte Gewalt und sexuelle Selbstbestimmung für die Region des Landkreises Vorpommern-Rügen, aus
Stralsund eingeladen.
Der Fachtag stieß auf großes Interesse bei Studierenden der Erziehungs- und Bildungswissenschaften,
Lehramtsstudierenden, aber auch bei Praktiker:innen der Sozialen Arbeit und Interessierten aus
zivilgesellschaftlichen Organisationen, was sich in der regen Beteiligung der insgesamt 85 Teilnehmer:innen
an den Diskussionen widerspiegelte.

Zum Gedenken an die Opfer der Shoah

Vor 80 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Es konnten 7.000 Menschen, darunter 650 Kinder, befreit werden. Insgesamt wurden schätzungsweise 1,1-1,3 Millionen Menschen in Ausschwitz ermordet, zu Tode foltert und verhungern gelassen. Allein nach Ausschwitz wurden mindestens 232.000 Kinder und Jugendliche deportiert und zum großen Teil ermordet.

Das unvorstellbare Grauen, welches sich den Befreiern und der Weltöffentlichkeit an jenem Tag offenbarte, wurde zum Inbegriff und Symbol der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie und des Menschheitsverbrechen der Shoah.

Am 27. Januar gedenkt auch das Transferzentrum Kinderschutz & Kinderrechte MV der Universität Rostock der Ermordung und des Leids von Millionen Jüd:innen, Sinti und Roma, Homosexuellen und allen weiteren durch den Nationalsozialismus verfolgten. Einen besonderen Blick richten wir auf die durch das NS-Regime verfolgten, gefolterten und ermordeten Kinder und Jugendlichen sowie auf die Verstrickung und Beteiligung kindnaher Professionen.

Das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Opfer der Shoah verstehen wir als Teil unserer Arbeit für Kinderrechte und einen kinderrechtebasierten Kinderschutz.

In Zeiten erstarkender rechter und rechtspopulistischer Parteien und Strömungen sowie islamistischer Gruppierungen, zunehmender antisemitischer Vorfälle und Straftaten, sind Menschenrechte sowie die Werte unseres Grundgesetzes – Freiheit und die Würde des Menschen – keine Selbstverständlichkeit. Es ist umso wichtiger denn je daran zu erinnern, wohin es führen kann, wenn Demokratie, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit eine Absage erteilt wird.

Durch unseren Einsatz für Kindermenschenrechte und einen kinderrechtebasierten Kinderschutz, der auch Diskriminierung jeglicher Art als nicht dienlich für das Kindeswohl entgegentritt, positionieren wir uns mit unserer Arbeit für Menschenrechte, Demokratie und den Schutz von Minderheiten, für Respekt und ein friedliches Miteinander ein.

 

Workshops zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus 2025

„Wo kommen deine Haare her?“ „Warum ist es so schwer, über Rassismus zu sprechen?“ Zwei Fragen – zwei Workshops – ein intensiver Diskussionsabend.

Anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2025 durften wir, Maike Nadar und Anna Bahr, gemeinsam mit Saloua Mohammed, Prof. Dr. Karim Fereidooni  und Berivan Isik in Rostock und Schwerin über Alltagsrassismus, Sprache, Machtverhältnisse und die Herausforderungen im Umgang mit Diversität sprechen. 

Ein großes Dankeschön auch an Soziale Bildung e.V. und den Kinderschutzbund Kreisverband Schwerin für die gemeinsame Organisation und wunderbare Kooperation.

Wir haben gemeinsam reflektiert, zugehört, sensible Erfahrungen geteilt, diskutiert und konkrete Strategien für eine diversitätssensible Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entwickelt. Besonders bereichernd war der Austausch mit engagierten Menschen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern: Fachkräfte, Aktivist:innen, Multiplikator:innen – alle mit dem gemeinsamen Wunsch nach Veränderung.

Und dennoch: Nicht einmal die Hälfte der verfügbaren Plätze war belegt.

Ein Gedanke, der uns nicht loslässt: Der Wunsch nach mehr Praxis-Input zu Rassismus und Diversitätssensibilität wurde an uns herangetragen – doch als es die Gelegenheit gab, blieb vieles leer.

Woran liegt das❓Fehlen Zeit und Ressourcen? Ist das Thema zu unbequem? Oder unterschätzen wir immer noch, wie sehr struktureller Rassismus auch unsere Räume betrifft?

Die Themen bleiben – und wir bleiben dran ‼️

Danke an alle, die dabei waren. Und an alle, die bereit sind, sich auf diesen Prozess einzulassen.

Lasst uns weiter reden – und vor allem: handeln.

Weltkinderbuchtag 2025

Ein Tag für Kinder, Bücher & Kinderrechte!

Der Internationale Kinderbuchtag erinnert uns jedes Jahr daran, wie wichtig Bücher für die Entwicklung von Kindern sind. Lesen und Vorlesen fördern nicht nur die Sprachentwicklung, sondern auch die Fantasie, das kreative Denken und die emotionale Intelligenz. Geschichten helfen Kindern, die Welt besser zu verstehen, Werte zu verinnerlichen und ihre Vorstellungskraft zu entfalten. Da Bildung ein grundlegendes Recht ist, sollte auch der Zugang zu Büchern für jedes Kind selbstverständlich sein. Der Kinderbuchtag setzt genau hier an – er feiert die Magie der Geschichten und macht darauf aufmerksam, wie essenziell Bücher für die Zukunft unserer Kinder sind.

Am 2. April war es soweit: In Rostock und Schwerin drehte sich alles um Geschichten, Kreativität – und Kinderrechte. Vom Bilderbuchkino mit Vorleserin Inga Faust und Bastelaktionen bei Hugendubel über die Bücherrallye bei Thalia bis hin zu spannenden Vorlesezeiten in den Stadtbibliotheken – es war ein Tag voller Neugier, Fantasie und Begegnung!

Ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen besonderen Aktionstag mit uns möglich gemacht haben: das Literaturhaus Rostock, die Stadtbibliotheken in Rostock und Schwerin, Thalia, Hugendubel, den Kinderschutzbund Landesverband MV – und die Stiftung Lesen für ihre Förderung.

Und natürlich: Ein großes Dankeschön an all die kleinen und großen Besucher:innen, die mit ihrer Begeisterung diesen Tag zum Leben erweckt haben! Gemeinsam setzen wir ein Zeichen – für die Bedeutung von Büchern im Leben von Kindern und für ihre Rechte.

Nächstes Jahr dann gleich nochmal! Wenn Sie sich beteiligen möchten, melden Sie sich gerne unter: Transferzentrum@uni-rostock.de.

Das Transferzentrum besucht den 18. DJHT in Leipzig

Vom 13. bis 15. Mai 2025 nahmen wir am 18. Deutschen Jugendhilfetag (DJHT) - dem größten Fachkongress zur Kinder- und Jugendhilfe in Europa -in Leipzig teil. 

Mit rund 300 Veranstaltungen und ebenso vielen Messeständen bot der DJHT einen beeindruckenden Überblick über aktuelle Entwicklungen, innovative Projekte und vielfältige Ansätze aus der Praxis.

Für uns war die Teilnahme eine wertvolle Gelegenheit, neue Impulse für unsere Arbeit zu gewinnen, inspirierende Gespräche zu führen und uns weiter zu vernetzen. Besonders der persönliche Austausch mit engagierten Fachkräften, Trägern und Organisationen war für uns ein echtes Highlight.

Unser herzlicher Dank gilt den Veranstalter*innen, die diesen Raum für Vernetzung, fachlichen Dialog und zukunftsorientierte Weiterentwicklung geschaffen haben.

12. Plenum der LAG Kinder- und Jugendarbeit – Von klein auf demokratisch

Am 19. Juni 2024 fand das 12. Plenum der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendarbeit Mecklenburg-Vorpommern in Kooperation mit der Bildungsstätte Schabernack e.V. statt. Unter dem Motto „Von klein auf demokratisch – Kinderrechte verstehen und vermitteln“ kamen Fachkräfte aus ganz MV in Rostock zusammen, um sich über innovative Wege zur Stärkung von Kinderrechten in der Kinder- und Jugendarbeit auszutauschen. Im Mittelpunkt des Tages stand die Frage, wie Kinderrechte von Anfang an gelebt und kindgerecht vermittelt werden können. 

Das Transferzentrums Kinderschutz und Kinderrechte, vertreten von Maike Nadar, hielt einen Input-Vortrag mit dem Titel „The child is a creature of circumstances“, in dem sie die Bedeutung der Kinderrechte für die soziale Arbeit erklärte. 

Wir danken allen Mitwirkenden für die Organisation. 

Das Transferzentrum beim ILL-Workshop-Campus 2025

Eva-Maria Kröger (Oberbürgermeisterin von Rostock) mit Anna Bahr & Maike Nadar (Uni Rostock)
Christian Winter (Vorsitzender der Enquete-Kommission "Jung sein in Mecklenburg-Vorpommern") mit Anna Bahr & Maike Nadar (Uni Rostock)

DerILL-Workshop-Campus geht 2025 in die dritte Runde – und zum ersten Mal ist auch das Transferzentrum Kinderschutz und Kinderrechte MV mit dabei!

Zusammen haben wir einen Tag voller neuer Impulse, inspirierender Begegnungen und lebendiger Diskussionen rund um gute Bildung, Partizipation und gelebte Kinderrechte verbracht. Maike Nadar vom Transferzentrum gestaltete zusammen mit Jaouad Hanin vom HennaMond e.V. einen Mittagsimpuls zum Thema „Partizipation und Demokratiebildung im Kontext von Kinderrechten und Kinderschutz“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Mitbestimmung im pädagogischen Alltag wirklich gelingen kann – praxisnah, ernst gemeint und nachhaltig.

In zwei vertiefenden Workshops konnten wir gemeinsam mit den Teilnehmenden dann  praxisnah erarbeiten, wie Beteiligung in Kindertageseinrichtungen wirksam umgesetzt werden kann und welche Haltung und Strukturen es braucht, um Kinderrechte im Alltag wirklich zu leben.

Wir danken allen, die diesen Tag mitgestaltet haben – durch ihre Beiträge, Fragen, Gedanken und ihre Offenheit. 

Und natürlich ein herzliches Dankeschön an das Organisationsteam um Martin Radtke für den reibungslosen Ablauf sowie an Eva-Maria Kröger für ihre ehrliche, wertschätzende und ermutigende Einführung.

Der Workshop-Campus 2025 hat einmal mehr gezeigt: Wenn viele Perspektiven zusammenkommen, entsteht Raum für Veränderung. Wir freuen uns auf alles, was daraus wächst!

 

 

Zu Besuch im Sozialministerium MV und beim MVpreneur Day 2025

Prof. Dr. Elizabeth Prommer
Maike Nadar, Anna Bahr, Line Großklaus

Hinter uns liegen ereignisreiche und inspirierende Tage!

Den Auftakt machte eine Einladung der Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen im Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern: Am Netzwerktreffen der Netzwerkkoordinator:innen durften wir uns mit vielen engagierten Fachkräften aus dem gesamten Land austauschen. Die Gespräche zeigten einmal mehr, wie wichtig die Zusammenarbeit im Bereich der Frühen Hilfen ist  und wie viel Potenzial in gemeinsamer Verantwortung liegt. Vielen Dank für die Einladung und den offenen, konstruktiven Dialog!

Am Mittwoch ging es direkt weiter zum MVpreneur Day 2025. Auch in diesem Jahr konnten wir viele spannende Beiträge zu innovativen Gründungsideen aus verschiedensten Branchen erleben. Besonders bereichernd war der Austausch mit Akteur:innen aus dem Gesundheitswesen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Wir nehmen viele neue Impulse mit und haben wertvolle Kontakte geknüpft, die uns sicher auch weiterhin begleiten, werden. Ein herzliches Dankeschön an die Organisator:innen und Teilnehmenden für diesen gelungenen Tag! 

Den Abschluss unserer ereignisreichen Woche bildete am Freitag, den 4. Juli, unsere Teilnahme an einer zentralen Leiter:innenberatung für Schul- und Kitaleitungen desInstituts für Lernen und Leben e.V. mit dem Schwerpunkt Kinderrechtebasierten Kinderschutz. Wir freuen uns über den Austausch und darauf, auch hier unsere Perspektive aus dem Bereich Kinderrechte und Kinderschutz einzubringen.

Wir blicken dankbar auf diese intensive Woche zurück – voll mit neuen Begegnungen, inspirierendem Austausch und gemeinsamer Verantwortung für Kinder, Familien und Fachkräfte.

Gründung der DGSA-Fachgruppe „Menschen- und Kinderrechte“

von links nach rechts:Maike Nadar, Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit, Prof. Dr. Beate Rudolf, Prof. Dr. Katja Neuhoff, Mareike Niendorf
Maike Nadar

Am 19./20. September 2025 wurde an der Hochschule Düsseldorf die Fachgruppe „Menschen- und Kinderrechte“ der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit gegründet. 
Das Transferzentrum für Kinderrechte und Kinderschutz MV war aktiv an Vorbereitung und Durchführung beteiligt, da diese von Maike Nadar mitorganisiert wurde. 
Weitere Organisatorinnen waren Mareike Niendorf (ASH Berlin), Prof. Dr. Claudia Lohrenscheit (Hochschule Coburg) und Prof. Dr.Katja Neuhoff (Hochschule Düsseldorf).  

Die Tagung eröffnete Prof. Dr. Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte) mit einer Keynote. Posterpräsentationen junger Wissenschaftler:innen und eine Reflexion von Prof. Dr. Theresia Wintergerst setzten wichtige Impulse. Ein Abendprogramm mit Filmbeiträgen und Musik bot Raum für Austausch und Vernetzung.
Am zweiten Tag stand eine Führung durch die Gedenkstätte Alter Schlachthof im Fokus, gefolgt von einem Impulsvortrag von Prof. Dr. Katja Neuhoff und Prof. Dr. Walter Eberlei. Im anschließenden Barcamp entwickelten die Teilnehmenden Ideen für die Arbeit der Fachgruppe.

Die Veranstaltung zeigte: Menschenrechte sind nicht nur Maßstab, sondern Prüfstein sozialer Arbeit. Die Fachgruppe wird künftig einen Ort bieten, um Forschung, Lehre und Praxis menschenrechtsbasiert weiterzuentwickeln. Das Motto der Tagung „Jetzt erst Recht und mehr denn je!“ begleitet uns auch danach!

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für die tollen Begegnungen und Gespräche und freuen uns auf weitere Zusammenarbeit!